„Bringing the Outside in“ vs. „Wir kochen immer die gleiche Suppe!“

Perspektive wechseln und schauen, was andere machen.

Die angeborene Scheu vor allem, was Neu ist

Ähnlich einer Herde Tiere, die immer dem Leittier folgen, werden neue, andere Denkweisen immer noch sehr wenig in Unternehmen akzeptiert. Das Schauen nach rechts und links, das Zuhören bei Themen, die vielleicht nicht sofort verstanden werden ist leider noch nicht ausgeprägt genug. Für mich einer der Innovations-Killer, gerade in Branchen, die gemeinhin als „langweilig“ oder wenig innovationsfähig gelten.

Die Verlautbarungen in den Medien sehen umgekehrt sehr danach aus als würde es rocken ohne Ende – egal wo man hinschaut, die Veröffentlichungen sind mega-digital, alle sind innovativ, haben diverse Digitalberater und alle Herausforderungen verstanden. Es hash-tagged ohne Ende und allein das Vorhandenseins eines Hashtag reicht schon für den nächsten Kreativpreis. Nur so am Rande: Ich kenne diverse Manager in Unternehmen, die wissen bis heute nicht, was das eigentlich ist.

Warum ist das so?

Viele Unternehmensführer oder deren Abteilungs-Verantwortliche nehmen die Herausforderungen unserer Zeit eher – nennen wir es – politisch an. Da es feste Strukturen in Unternehmen gibt, die mit der Größe des Unternehmens auch exponentiell wachsen, ist es auch nicht einfach, an diesen Strukturen zu rütteln.

Aber genau das muss man tun: Elon Musk, Steve Jobs etc. zu glorifizieren und endlos als Galionsfiguren für Innovation zu zitieren reicht leider nicht. Man muss schon selbst ran und sich trauen, gegen den Strom zu schwimmen oder wenigstens das etwas Andere zuzulassen und in der Diskussion auch gegen die eisernen Regeln von gestern zu denken.

Wie hilft uns dabei „Bringing the Outside in“?

Eine der wichtigsten Regeln ist es, zu schauen, wie es andere machen. Das braucht viel Mut, da Unternehmen sich selbst oft schon aus Selbstverständnis ganz vorne in ihrer Branche sehen. Da wird dann gerne einmal abschätzig über die „Anderen“ geredet und/oder grundsätzlich abgelehnt, was dort gemacht wird.

Lernen kann man nur, wenn man sich offen zeigt.

Offen heißt vor allem zuzuhören und zu verstehen, welcher Ansatz dahinter steckt. Zu sehen, wie sie es machen und warum es einen positiven Effekt hat. Zu akzeptieren, wenn es vielleicht die bessere Idee ist und sich zu freuen, wenn man erkennt, dass man ziemlich gut dabei ist.

Exkurs: Ich spiele seit ich 13 Jahre alt bin E-Gitarre. Mir war immer wichtig, von anderen zu lernen. Wenn ich einen Gitarristen auf der Bühne sehe, der gut spielt, dann schaue ich wie er es macht und finde es positiv, mir etwas abzuschauen. Sie glauben aber kaum, wieviele Gitarristen mit verschränkten Armen in den vielen Jahren Musik zu machen vor mir standen, wenn ich auf der Bühne war. Da ging es nicht darum etwas abzuschauen, das war entweder Neid, Konkurrenzdenken oder Überheblichkeit – alles keine Einstellungen, die einen weiter bringen.

Antizipieren – der Abgleich mit der eigenen Wirklichkeit

Nun geht es natürlich nicht nur darum zu schauen, wie es andere machen. Wichtig und eine weitere Voraussetzung für Erfolgschancen ist, dass man Ideen auch in die eigene Unternehmens-Wirklichkeit transferieren kann. Erst dann zeigt sich, ob das auch eine gute Idee im eigenen „Kosmos“ ist. Vieles kann man in die eigenen Strukturen einbinden und es hilft effizienter, schneller oder auch zufriedener zu werden. Manches klappt in anderen Strukturen gut, aber nicht im eigenen Unternehmen.

Umsetzen – der steinige Weg zum Ziel

Die vielen Berater zeigen im optimalsten Fall den Weg zum Ziel. In der Umsetzung entscheidet sich aber der Erfolg neuer Maßnahmen. Deshalb sind die Umsetzer, oftmals auf niedrigeren hierarchischen Ebenen, sehr unterbewertet. Sie müssen dafür sorgen, dass die „schlauen“ Ideen auch die Wirklichkeit treffen. Ich sehe hier häufig eine Überforderung bei der umsetzenden Einheit. Der Frust kann aus mehreren Richtungen kommen: Entweder wurden konzeptionelle Ideen nicht verstanden oder sie sind nicht ausgereift und müssen vielfach angepasst werden oder …

Strategie – Kommunikation ist Trumpf

… es wurde einfach keine Kommunikations-Strategie integriert. Change Management ist ein großes Wort … in der Realität habe ich vielfach die Situation vorgefunden, dass dafür kein Budget geplant war. Zumindest war das das primäre Argument, wenn es darum ging, die Menschen auch abzuholen.

Das bringt mich zurück zum Anfang: Die angeborene Scheu vor allem was Neu ist. Jedes Tool, jede Anwendung, jede Art neuer digitaler Workflow-Instrumente braucht eine Agenda und eine Kommunikations-Strategie. Es reicht nicht, einfach etwas Neues einzuführen und Mitarbeiter jeglicher Art nicht klar zu kommunizieren, was es bringt und warum es richtig ist.

„Tue Gutes und rede darüber!“ Ein altes Sprichwort, das eigentlich schon alles enthält. In diesem Sinne: Holt die Menschen ab und sagt ihnen, warum es nun anders läuft. Kommuniziert es positiv und seid euch bewusst, dass es seine Zeit braucht, um verstanden zu werden.

2018-08-09T14:15:50+00:00
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